Ein halber Panzerknacker ist gar keiner

Immer, wenn man denkt, dass möglicherweise eine gewisse Sättigung bei einem eintritt, entdeckt man, dass unser Hobby derartig viele Facetten hat, dass es sich durchaus lohnt, auch mal ganz neues auszuprobieren, und dass man dies nur aus den Augen verloren hat. Ich, der ich nur schwerlich an irgendwelchen Seilen hochkomme, orientiere mich dabei gerne in die D-Richtung statt in die T-Richtung.

Seit längerem faszinierte mich das Lockpicking. Bei einigen CacherkollegInnen habe ich mir etwas Rat geholt, und schließlich wünschte ich mir von meiner Liebsten _Lila_Luna_ zum Geburtstag ein Lockpicking-Set. imag2192Das bekam ich, und sogleich versuchte ich daheim, verschiedene Vorhängeschlösser zu „knacken“. „Du gehst also unter die Panzerknacker“, merkten einige Freunde an, denen ich stolz mein neues Werkzeug zeigte. „Panzerknacker“ wird man also nur durch den Besitz eines solchen Werkzeugs. Ob ich mir noch eine Maske und einen roten Pullover kaufe? Fünf verschiedene Schlösser bekam ich gleich am ersten Tag auf, alle nagelneu.  Bei manchen dauerte es etwas, aber zuletzt waren sie alle geöffnet. Das war ja einfach! Da wird man schnell größenwahnsinnig.

Wohl wissend, dass es in der freien Wildbahn anders sein kann und dass es mir eigentlich noch an Erfahrung im gezielten Umgang mit dem neuen Werkzeug fehlt, ging es heute einige Kilometer auswärts an den ersten Lockpicking-Cache. Nur soviel sei verraten: Beim heutigen Wetter mit Dauerregen war ich in erster Linie darauf aus, einen Drive-in zu machen, und genau das gelang mir auch. Den Cache zu finden dauerte keine 3 Minuten. Ob es wohl Probleme mit Rost am Schloss geben würde? Nein, der Cache war in eine Tüte gewickelt, das hielt zumindest einen Großteil des Wassers fern.

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Ich trug den Kleinen ins Auto und betrachtete die Konstruktion. Das „klassische“ graue Rohr, auf beiden Seiten mit Stopfen verschlossen, von denen einer verklebt ist. Der andere ließ sich zwar öffnen, jedoch zwischen dem Logbuch und mir steckten zwei Riegel, die man natürlich nur durch Öffnen der Schlösser entfernen konnte. Zwei Schlösser also. Na dann mal los! Das Etui mit dem Werkzeug geöffnet, einen Pick ausgesucht und losgelegt.

Die Schlösser waren, wenn auch in der Funktionsweise gleich, größer als die zuhause geöffneten. Vor allem waren sie stark vermackelt, und jede Menge Kratzspuren zeugten von den Versuchen meiner Vorfinder, hier ans Ziel zu kommen. Ich wählte einen größeren Pick und hatte so meine Schwierigkeiten mit dem Hebel. Die richtige Größe scheint mein Set nicht zu haben. Aber irgendwie ging es dann doch. Ich probierte einen nach dem anderen Pick aus in der Hoffnung, den richtigen zu finden. Zwanzig Minuten dauerte das. Schließlich machte es „Klick!“, und das erste Schloss war geöffnet!

Puh! Halbzeit. Eine kleine Welle der Zufriedenheit durchströmte mich. Nun mit voller Konzentration weitergemacht! Bei Nummer zwei aber ging alles nicht so leicht. Offenbar, das war zumindest mein Eindruck, ließ sich der Zylinder des Schlosses nicht so leicht drehen, wie beim ersten. Ich probierte unablässig mit ständig wechselnden Werkzeugen, das Schloss zu öffnen, eine halbe Stunde ging das jetzt schon so. Verdammt, dachte ich, wenn das zweite Schloss nicht aufgeht, dann nützt dir das geöffnete erste gar nichts! Ich wollte nun den Erfolg, denn nichts ist schlimmer, als auf halbem Wege umkehren zu müssen. Hätte ich das erste Schloss nicht geöffnet bekommen, hätte ich wahrscheinlich nach einer halben Stunde aufgegeben. Jetzt aber war der Erfolg doch schon so nah, das Döschen mit dem Logbuch konnte ich ja schon sehen, nur wenige Zentimeter trennten mich von ihm. Nun hatte ich darüber hinaus schon richtig Zeit investiert, mittlerweile eine Stunde! imag2219

Jetzt aber, das wusste ich, musste ich mir ein Limit setzen. Wenn das Schloss in weiteren 15 Minuten nicht geöffnet war, würde ich aufhören, sonst säße ich hier Ostern noch im Auto und würde krampfhaft versuchen, mir Zugang zu verschaffen. Also erneut mit verschiedenen Picks probiert, geprüft, ob sich der Zylinder des Schlosses überhaupt drehen lässt, hin und her gehebelt … nichts zu machen! Der erste Lockpicking-Cache ist nur ein halber Erfolg und damit keiner!

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Wer den Autor aber kennt, weiß, dass ein Rückzug immer nur ein taktischer ist. Ich werde weitere Lockpicking-Caches suchen. Ich werde meine Erfahrungen mit ihnen machen und meine Kenntnisse verfeinern. Wenn ich soweit bin, werde ich zurückkehren und dieses zweite Schloss kalt lächelnd in 10 Sekunden knacken (Ich werde einen Smoking mit Fliege tragen, den Cache in einem englischen Sportwagen öffnen und dabei sagen: „Mein Name ist Cacher, Geo Cacher!“). Denn wenn man sich mit mir anlegt, das wissen Autobahnbrückencaches, D1/T1er und Urtica Dioica bereits, dann kommt er eben immer wieder. Bis es zweimal „Klick!“ macht. Und dann kaufe ich mir tatsächlich einen roten Pullover.

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Über hensys2014

hensys - Cacher seit Mai 2012. Viel im Saarland unterwegs und auch viel in NRW. Macht irgendwas mit Computern.
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